Donnerstag, 14. April 2011

William - Der Abstieg ins Nichts

Wieder da. Man erzählt im Haus Eins und im Haus Zwei, man ist in Therapie wegen der ganzen Ritz- und Selbstmordgeschichte. Und André? Der ist beileibe kein Helfer der ihn wieder in die Gesellschaft einführte. Aber es war leichter wenn man es so aufrecht hielt. Es war ziemlich viel egal geworden. Lose. Egal. Unwichtig. Cathrin hatte jetzt endlich das Glück das sie verdient hatte und von daher fiel ihr eine ziemlich große Lüge nicht mehr auf. Man hatte zu tun. Die Nacht war eiskalt. Die Temperaturen waren gefallen und hier unter der Brücke, ein beliebter Platz um sich hinzustellen, war er wenigstens nicht ganz alleine um Geld zu verdienen. Es waren eine menge junger Männer, auch einige ältere hier. Es wurde geredet, Zigaretten gegen einen Schluck getauscht um sich zu wärmen. Einige standen zusammen und bauschten sich unter den Mänteln zusammen. Immer mal wieder hielt ein Wagen und jemand stieg ein. Es kam auch manchmal jemand und parkte einfach nur auf der anderen Seite, stieg jemand dazu rummelte es darin und wenig später war schon alles vorbei. Wie man so tief hat fallen können? Gute Frage. Zuerst war es nur ein Blech – rein aus Neugier. Soll die Sinne betäuben, die Welt eine Zeit lang etwas bunter machen. Und warum nicht? Und schon war man mitten drin. Er rieb seine Hände aneinander, die Wangen rot vor Kälte. Das erste mal war widerlich gewesen. Und dann… dann gings. 

Jeder Wagen der über die Arbeiterklasse hinaus ging war hier so was von auffällig das unauffällig beinahe ein Witz wäre, zu denken. Teure Wagen bedeuteten teure Kundschaft, vor allem wählerische. Die waren selten aber begehrt. Da flogen sämtliche Zusammenkünfte auseinander, es wurde sich in Pose geschmissen. Er wickelte sich nur enger in den Lodermantel und versuchte die Kälte wegzuzittern. Die letzte Dröhnung war bald zwei Tage her, er spürte den Entzug eiskalt. Das Wochenende daheim war sehr anstrengend gewesen. Und auch jetzt verdeckte Concealer und etwas Rouge ein recht abgehalftertes äußeres. André achtete ziemlich genau darauf wie er William und die anderen auf der Straße absetzte. Ein Wagen bedeutet, wenn auch nur für zehn oder einiger Minuten, eine Chance sich aufzuwärmen. Es hat nichts mit Liebe zu tun. Wer bezahlt dem gehört man und die meisten stellen eine menge mit dir an, wenn du einsteigst. Deswegen war es ratsam nirgends mitzufahren sondern an Ort und Stelle zu bleiben. Sein Kopf drehte sich zu dem weit abstehenden parkenden Jeep und wusste das er beobachtet wurde. Und letztendlich stellte auch er sich weiter vorne hin und hoffte man würde gefallen. Etwas im Auto aufwärmen wäre schön. Etwas Geld zusammenbekommen. Er hasste es wenn er an solche Wagen herantreten musste. In jedem konnte jemand sitzen den man kannte oder umgekehrt. Und es dürfte nicht umhergehen was er hier tat. Was für eine Enttäuschung für alle. Er sah auch nicht hin, sein Blick blieb gesenkt und auch wenn es sicher warm dort drinnen war er hatte keine große Lust einzusteigen. Sie kamen stets, die guten Wagen und hielten genau hier, vor seinen Füßen. Und einer schlimmer als der andere. Andererseits gab es gutes Geld, meistens zumindest und das finanzierte wiederum etwas Betäubung. Und die war bei diesem Job wünschenswert. Blick zum Jeep. Keine Preisfrage. Also wars egal. Gut. Er wird verdoppeln. Mal mehr als fünfundzwanzig , dann gibt es auch mal wieder ein Stück Kuchen und einen Kaffee. Er wischte sich über die Augen und stieg schließlich in den Wagen. Tür zu.


Liebe Grüße
Aya

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