Freitag, 31. Oktober 2014

Ich vs E-Book (Alle Jahre wieder)

Ich bin sicher kein Feind von neuen Errungenschaften in der Technik und so weiter. Ich mag das Internet, das Frauen wählen dürfen, das Männer auch mal kochen, das mit dem Auto bequem von A nach B kommt und das ich keine Kinder in die Welt setze, weil ich befürchten muss das aus dem Spross so was wird wie ich es täglich miterleben muss wenn ich mich vor die Tür wage. Ich bin auch kein Mensch der sagt das früher alles so viel besser war, denn abgesehen von wenigen Komponenten war mein Leben früher beschissener als jetzt. Es gibt aber eine Sache über die ich nur den Kopf schütteln kann und das sind E-Books. Ich versteh den Sinn, natürlich, aber ich verstehe nicht - und werde es auch nie - wie man ein E-Book einem richtigen Buch vorziehen kann.

Ich benutze Google und kaum mehr ein Lexikon aus dem Regal (von denen ich sogar mehrere habe), schlage im Onlineduden nach statt das Gelbe Büchlein zur Hand zu nehmen - aber ich bin nach zweimaligem Versuch wirklich noch nie auf die Idee gekommen ein geliebtes Buch durch einen Computer zu ersetzen. Ich bin sogar so eine, die Fanfictions ausdruckt und dann auf dem Papier statt dem Bildschirm liest. Klar kann man einen Pc nicht direkt mit einem E-Book vergleichen, das weiß ich auch, einfach weil man ja auch bei Licht lesen kann. Bei Licht kann man lesen. Voller Wahnsinn.

Ist dir schon mal das Buch aus der Hand geklaut worden? Mir auch nicht, aber meinem Sitznachbarn das E-Reader an der Bushaltestelle. Der eine nimmt fluchend die Verfolgung auf und ich blätter weiter. Weil ich nämlich auch im Licht lesen kann.

Diese Reader kann ich gerne mit meinen so tollen Videokassetten vergleichen - beziehungsweise den Vergleich von VHS auf DVD. VHS hatte seine Tücken, von Bandsalat bis krizzelbilder, aber die Dinger haben gespielt, selbst wenn man sie hat Fallen lassen. Zum Beispiel gegen eine Wand. Mit Schwung. Eine DVD macht das in der Regel nur einmal mit. Sie bleibt vielleicht heile, aber die Kratzer zwingen einen meist dazu sich die gleiche Scheibe nochmal zu kaufen.

Ich bin damals fast überfallen worden. Ich muss fast sagen, weil der übergreifende Handtaschendieb schon da war und seine Griffel schon an meiner Tasche hatte, ich Potterfan aber Band fünf in der Tasche mit mir herum geschleppt habe. Und du kannst mir ja meine Tasche klauen, schlimm genug aber nicht meinen Potter und die letzten fünf Kröten die ich im Portemonnaie hatte! In einem schreienden Handgemenge schlug ich ihm also das einzig sinnvolle um die Ohren, die Handtasche mit Mr. Potter. Immerhin kamen dann auch andere Passanten zur Hilfe. So ein schweres Buch. Den E-Reader hätte man danach neu zusammensetzen müssen. Mr. Potter wurde erst Jahre später mit Tesa geflickt und bekam einen Ehrenplatz auf dem Regal. Und wird immer noch einmal jährlich gelesen.

Ja, Grund für diesen Eintrag gab eigentlich folgendes Bild, von Webfail.com und der bissigen Kommentare unter dem Bild, wo E-Book Liebhaber sich auf jeden Papierfreund stürzen und den mit lauter Vorteilen des E-Readers in Grund und Boden schimpfen versuchen. Während ich las und mir das Rupert-Zitat wieder in den Sinn kam, dachte ich, es wird Zeit. Zeit sich auf dem Blog zu bekennen. Zeit zuzugeben das ich E-Reader scheiße finde und E-Books garantiert nicht in die Hölle gehören denn ich will die Scheiße da unten nicht sehen!

Was ist das für ein Argument? E-Books sind billiger. Ja, da freut sich jeder Autor drüber das sein Werk vielleicht Jahrelanger Bemühungen auf dem Virtuellen Wühltisch gelandet ist, damit die Händler wenigstens noch 1.50 dafür bekommen. Solche Aussagen tun mir in der Seele weh und das sicherlich auch weil ich selbst Schreibe und weiß was das bedeutet.

Man kann die Schriftgröße anpassen! Na herzlichen, das kann man mit einem richtigen Buch natürlich nicht. Da wird der Leser noch drauf hingewiesen das (12pt Standard oder größer als nicht lesbare Schrift)  es gute Optiker auf dem Planeten gibt und das man sich vielleicht die Frage stellen sollte, ob es sinnvoller ist in einem E-Reader die Schriftgröße einzustellen oder sich eine Sehhilfe anzueignen um keine Verkehrsteilnehmer zu behindern.

Ja, ein E-Reader ist leicht. 4000 Bücher in einem Schwung! Außer für einen Umzug seh ich darin jetzt keine Vorteile. Ich persönlich schleppe nicht 4000 Bücher mit mir rum weil ich für gewöhnlich nicht in mehr als einem gleichzeitig lesen kann. Und wer sich die Hüfte bricht weil er ein dreihunderseitenwerk in Standartgröße mit sich rum schleppt der soll meinen E-Readersegen bekommen - der Rest - mimimimi.

Und wie schön sich so ein E-Reader im Regal macht - davon fange ich besser gar nicht erst an!

"Seien Sie ehrlich, was stört sie wirklich an Computern?"
"Der Geruch."
"Computer riechen aber nicht, Rupert."
"Ich weiß. Aber es gibt nichts, was mit unseren Erinnerungen mehr verbunden ist als Gerüche. Irgendeine Blume oder der Duft eines Holzfeuers können Erinnerungen  hervorrufen die längst vergessen sind. Bücher haben einen modrigen, intensiven Geruch und das Wissen das wir aus Computern beziehen, können wir sinnlich nicht erfassen. Es ist kalt und Tot. Es ist flüchtig - nie richtig da. Und wenn es dauerhaft sein soll, sollte der Lernvorgang sinnlich fühlbar sein. Wissen muss riechen."
(Ein Dialog aus Buffy im Bann der Dämonen, Staffel 1, Folge 8. Traurig genug das ich den auswendig kann weil ich den quasi eingesogen habe, aber tatsächlich nachforschen musste welche Folge in welcher Staffel noch gleich mit dem Computerdämonen war.)


Kommentare:

  1. Hallo Mim,

    vorweg du machst es deinen Lesern nicht leicht hier zu kommentieren.
    Ich habe außerdem Googlekonto keine der auswählbaren Authentifizierungsmöglichkeiten und mein Googlekonto nutzt ich nur ungerne, aber hier mach ich heute mal eine Ausnahme ;)

    Nochwas vorweg, ich möchte hier auch keinen Glaubenskrieg lostreten, ich mag Bücher und eBooks, aber einige deiner Argumente sind einfach falsch.

    1: "Man kann eBooks nicht bei Licht lesen"
    Handelsübliche eBookreader haben einen eInk-Display der vom Lesegefühl und Lesbarkeit bei Licht dem Papier sehr ähnlich ist.
    Im gegenteil, viele bringen sogar eine indirekte Beleuchtung mit, das man sowohl bei Licht als auch ohne Licht lesen kann ;)

    2: "Billigere eBook sind schlecht für die Autoren"
    Stimmt nicht, eBooks sind eigentlich sogar noch zu teuer ohne dem Autor zu schaden.
    Du musst dabei bedenken, bei einem eBook falle weder Material-, noch Druck-, Lager-, oder Logistikkosten an.

    3: "Schriftgröße verstellbar ist unnötig"
    Für die meisten Menschen ist das richtig, aber es gibt durchaus Sehschwächen oder Augenleiden, die sich nicht durch ein Hilfsmittel wie eine Brille ausgleichen lassen.

    Zum Schluss noch meine persönliche Meinung
    Ich bin sehr froh, das es eBookreader gibt. Ich gehöre zu den Menschen die jeden tag 2-3 Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln pendeln und da ist ein leichtgewichtiger eBookreader
    viel praktischer als ein 400 Seiten starker Wälzer, den kann man zum Umsteigen nicht schnell in die Jackentasche stecken und an der nächsten Haltestelle weiterlesen.

    Ich möchte niemandem seinen Geschmack oder Meinung absprechen, ich habe selber ein überquellendes Bücherregal, aber man sollte bei der Diskusion auch nicht mit falschen Argumenten arbeiten.

    Ich hoffe das ist nicht zu negativ ausgefallen.

    Gruß

    Klaus

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  2. Jap, da kann ich nur zustimmen! Und bei der Stelle mit dem Potter, den Du dem Dieb um die Ohren haust, musste ich laut lachen. Ein Freund von mir schleppt diesen hässlichen E-Book-Reader auch mit sich herum und ich finde, dass es sowas von keinen Spaß macht, auf diesem Ding zu lesen.. Ich habs einmal probiert und gleich sein gelassen.

    Dieses Zitat von Mr. Giles passt wie die berühmte Faust aufs Auge :)

    Liebe Grüsse
    Clara (die früher auch Buffy gerne geschaut hat)

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  3. Ich habe einen Reader mit LCD Display. Aber das ist noch eins der ersten Generation mit vielen Schwächen. Und dementsprechend setzt er inzwischen ne dicke Staubschicht an.

    Auf dem Ipad kann man auch Ebooks lesen. Aber das funktioniert nur in Räumen gut. Draußen ist das Display kaum zu lesen.

    Bei aller Platzersparnis, Gewichtsreduktion und angepassten Größen... Das Problem hat man mit nem gedruckten Buch nicht.

    Aber für Dinge die man einmal liest und dann nie weider anfasst, wie Zeitschriften, die Zeitung usw. ist das ganze wirklich praktisch.

    Trotzdem werde ich den Teufel tun und meine fast lückenlose Stephen King Buch Sammlung wegwerfen, bloß weil ich sie auch auf dem Ipad hab. Mein Bücher Regal quillt über aber ich liebe jedes Einzene davon.

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