Montag, 10. Oktober 2011

Blutiger Horror

Nach Charlotte Roches Skandal Buch ‚Feuchtgebiete’ sind einige Mägen nicht nur auf gelungene Weise verdreht wenn sie auch nur eine Avocado ansehen, sondern sind die Gemüter auch erhitzt, das es tatsächlich eine Frau gewagt hat, ein solches Buch zu schreiben und dann auch noch mit einem Selbstbewusstsein dahinter zu stehen, wie es das sonst nur im verborgenen gab und gibt.

Neulich wurde mir dank der Reaktion eines männlichen Chatters erneut bewusst, wie sehr das Thema doch in einer Frau steckt. Während Männer ungehemmt über ihre Penisse prahlen, jeder mindestens 18cm vorweisen kann, genügend ‚Bukkake’ Videos konsumieren um das schließlich alleine oder mit Freunden im Kreise der Sexualität nachzuahmen, ist allein das Thema Frau und Körpersäfte ein ganz eigenes Universum, das man vor allem nicht zur Show tragen soll.

Nun frage ich mich, warum nicht? Darf eine Frau nicht zum besten geben, das Sex während der Menstruation sogar etwas willkommenes ist? Es gibt eine Menge Frauen die werden währenddessen sogar ziemlich Lustvoll. (Ist das nicht herrlich geblümt?) Ein einzelner Orgasmus wirkt dreimal schneller und besser als eine Wärmeflasche. Es schwächt Krämpfe ab (zugegeben, nicht so lange wie es wünschenswert wäre) und hilft natürlich zu einer Art wohlig warmen wohl befinden, was Sex generell ja schon mal so an sich hat. Nun praktizieren das viele Frauen aus ‚hygienischen gründen’ nicht, lassen sich aber oftmals mit Begeisterung besamen. Mit vorliebe ins Gesicht. Finde den Fehler.



Hygienische Gründe kann ich im folgenden ganz und gar nicht nachvollziehen. Praktisch gesehen, ist Sex während der Periode in etwa so unsauber wie Sex vor der Periode. Im Zweifelsfall wird man danach ohnehin das Bettlaken wechseln und ich hörte sogar davon das es Leute gibt die nach dem Sex duschen, manche sogar davor. In vielen Religionen ist Sex während der Periode ein absolutes Tabu. Die Frau ist zu dieser Zeit unrein und dieses Denken hat sich über die Religion über Wasser gehalten. Warum?

Nachdem besagter Chatter schon langsam das Kotzen bekam, während ich mich ins Thema Sex und Menstruation hineinsteigerte, weil es mich doch fasziniert hat, wie sehr es auf Ekel stößt, (könnte man sich vorstellen, das ich ‚Feuchtgebiete’ sogar zweimal gelesen habe?) ging er schließlich Offline, mit dem ähnlichen Kommentar: „Warum müssen Frauen so eklig sein? Ich erzähl doch auch nichts vom Pissen und Scheißen.“

Schweigen steht unserem Geschlecht gut an. Dieses denken wird vor allem von Frauen auf andere Frauen aufgezwungen. Manche Frau schämt sich in Grund und Boden wenn an der Kasse jemand vor oder hinter ihr steht, während sie Tampons oder Binden kauft und in der Apotheke wird diskret nach Verhütungsmitteln gefragt. Es wird nur flüsternd weitergegeben und dann stellen die Leute sich die Frage, wieso es heutzutage bald Achtzehnjährige gibt, die noch nie davon gehört haben, das ein Tampon kein Verhütungsmittel ist.

Fanatische Feministinnen (Ja, ihr habt das –innen wahrgenommen), sollten vielleicht auf Menstruations-Horror-Filme pochen. Offenbar bereitetet dieses Thema einem Mann mehr schrecken, als der übliche Splatter.


Im Anschluss ein sehr treffendes Zitat:

„Wenn Männer menstruieren würden, dann würden sie vermutlich eine Möglichkeit finden, um damit anzugeben“, schreibt der männliche Rezensent eines kürzlich erschienenen Buches über die Menstruation. „Wahrscheinlich würden sie es als spontane Ejakulation betrachten, als Exzeß ihrer Vitalität. Ihr Gefäß läuft über, ihre Sexualität gibt überschüssige Kraft ab. Sie würden sich als Spender von Blut verschwenderischem Übermaßes betrachten. Blut gilt schließlich allgemein als etwas Gutes. Blutriten waren früher eine Probe der Männlichkeit und beim erfolgreichen Abschluss der ersten Jagd eines Knaben, pflegte man diesen bluten zu lassen. All das ist umgekehrt, wenn die Frau diejenige ist, die blutet. Bluten wird als Zeichen von Schwäche, Unterlegenheit, Unsauberkeit und Irrationalität gedeutet“ (Nancy Friday – My mother/My Self)

Liebe Grüße
Aya

Kommentare:

  1. ja der Chatabend war episch. Hab noch Stunden danach drüber gelacht ^^.

    Wenn man selber ne Schwester hat kriegt man ohnehin viel von dem Thema mit und es ist ÜBERHAUPT NICHT eklig.

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  2. Ich hab die Tage auch schon drüber nachgedacht, über besagten Abend nen Artikel zu schreiben. Aber irgendwie hab ich dann doch gestockt, weil ich niemanden verprellen wollte.

    Aber ich gebe dir absolut Recht. Außerdem fand ich es unmöglich, dass er es mit "Pissen und Scheißen" verglichen hat. Ich würde eher sagen, dass Blut einer Frau ist genauso (oder genauso wenig) eklig, wie das Sperma eines Mannes.

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  3. Naja. Ich selber finde Sperma eigentlich schon eklig... Aber andererseits dann auch wieder nicht xD

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  4. Ich konnte diese Abneigung auch nie verstehen. Wobei sie mir aber bisher auch nicht so konkret über den Weg gelaufen ist. Solch eine Reaktion ist ja schon recht seltsam. Allerdings war mir auch nicht bewusst, dass das so positiv empfunden werden kann. Was ich bisher von Frauen hörte, ging dann eher in Richtung Ruhephase oder alternative Öffnungen.

    Wobei ich auch behaupten möchte, dass meine gelassene Einstellung dazu nicht daran liegt, dass ich damit noch nicht in Kontak gekommen bin. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich durch die Praxis in meinem Kopf so wahnsinnig was umstellt.

    Aber danke für diesen Beitrag, das hat mir die Bücher noch interessanter gemacht :-) Das erklärt mir die vielen unterschiedlichen Bewertungen, was für mich aber keine wirkliche Relevanz hat.

    PS: Was will ich mit 18 Zentimetern oder mehr? Die Dicke soll wesentlich entscheidender (und große Längen nicht immer ein Vorteil) sein :-D

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  5. @ Science-guy:
    Durch eine Schwester mitgekriegt? Inwiefern?
    Und Sperma ist eklig? Okay, Geschmäcker sind verschieden XD

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  6. So wahr. Alles ^^

    „Wenn Männer menstruieren würden, dann würden sie vermutlich eine Möglichkeit finden, um damit anzugeben“ -> made my day xD


    P.S. ...immer verpasse ich die wirklich guten Chats :(

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  7. Scheinbar war das wirklich ein lustiger Chat, aber ich war so kaputt... Menno.

    Zum Thema selbst: Ich finde es auch schade, dass meist die am lautesten darüber ihre Meinung äußern, die es selbst nicht haben. Was bitte will ein Kerl darüber wissen?! Kennt er es doch definitiv nur aus zweiter Hand. Hmpf.
    Wenn ich rallig bin, bin ich rallig und dann soll mein Kerl mich gefälligst entralligen - unabhängig von meinem Zyklus.
    Und wie schon gesagt wurde. Es gibt ne Dusche (wobei ich dazu sagen muss: An normalen Tagen find ich es dann doch nicht so schön, wenn man(n) gleich im Anschluss aufspringt und sich unter die Dusche stellt).

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