Freitag, 18. Juli 2014

Nachbarn wurden erfunden. Tolle Erfindung. Echt Supi. Nicht.

Vorweg gesagt hatten wir mit dem Nachbarn eigentlich immer ein gutes Verhältnis. Ein so gutes, das
sie damals geholfen haben das wir die Wohnung bekommen und sogar beim Einzug halfen. Ein so gutes Verhältnis das man völlig unbedenklich Dinge ausleihen konnte, das man sich gegenseitig zu den Geburtstagen etwas schenkte und mitten in der Nacht klingeln konnte weil man sonst wohin musste. Eigentlich.

Das ganze kippte erstaunlich schnell und so schlimm um das man sich nicht mehr wohlfuehlt in den Waenden die man bezahlt. Das man mit Bauchschmerzen den Flur betritt und sich voller unbehagen aufs Rad oder ins Auto schwingt weil ueber Nacht wieder Reifen durchstochen oder Zucker im Tank gelandet ist.

Wo fing das also an zu kippen? Eine Bekannte der Seufzerin wurde krank. Sie musste in Kur und sorgte sich um ihre Altdeutsche Schaeferhuendin. Wie man das unter Freunden macht nahmen wir das Tier in Pflege. Soweit so gut. In dem Haus sind Hunde eigentlich erlaubt - eigentlich sag ich, weil es zu dem zeitpunkt schon drei Familien mit Hund(en) im Haus gab, wir aber von der Verwaltung angeschrieben wurden das dass Tier weder angemeldet noch geduldet werde. Nach einem Rueckruf wurde die Sache geklaert, es handle sich nur um ein paar Wochen Pflegefall und nicht um einen Dauerzustand zumal das Tier pflegeleicht und ruhig war. Alles paletti. Ploetzlich wurde im Treppenhaus vermehrt Hundehaare gesichtet (was bei so einem Hund natuerlich ist) die auch beseitigt wurden mit den woechentlichen Wischdastreppenhaussamstagen. Auch soweit so gut. Die Kinder von gegenueber haben schon einen Narren an dem Wauwau gefressen und sie an denen - das einzige Problem war das unser Wauwau den Wauzi besagter Nachbarn nicht mochte. In freier Wildbahn wurde geklaefft und geknurrt, absolute Antipathie auf beiden Seiten.

Nun wurde die Seufzerin auch Krank und musste fuer eine schwere Rueckenoperation ins Krankenhaus. Da blieb ich allein mit Keks und Kegel und bekam das stressige Leben aber gewuppt. Arbeit, Katzen, Gassi gehen mit dem Wauwau drei bis viermal am Tag plus Krankenbesuche alle zwei Tage mit relativ weiten oeffentlichen Fahrwegen. Besagter Nachbar bot an mich hinzufahren wenn ich denn wollte und an dem Tag an dem alles aus unbekannten gruenden kippte begann. Er setzte mich vor dem krankenhaus ab, ich fragte noch was er dafuer bekaeme und bot fuenf euro spritgeld an, da wunk er noch ab und sagte das sei auch so gern geschehen. Okay. Alles wie immer. Zurueck fuhr ich mit dem Bus und im Treppenhaus tat sich weit mehr auf als Hundehaare - ignoranz. Mein gruß wurde voellig verschluckt und nicht erwidert. Kein ding, aeltere Leute hoeren nicht alles, nochmal und es gab nur einen entnervten Blick.

Genau das war der Moment. Aber mir fehlt bis heute ein Grund fuer das nachfolgende Verhalten das nun ins zweite Jahr anlaeuft und inzwischen Formen angenommen hat die ich nicht nachvollziehen kann.

Der Hund bellte angeblich waehrend meiner Abwesenheit stundenlang. Das konnte ich natuerlich nicht nachvollziehen also musste ich das irgendwie pruefen. Was kann man aber von der Arbeit aus anrichten? Herzlich wenig - es sei denn... Teamviewer angeschmissen, Webcam ausgerichtet und unerlaubterweise von der Arbeit aus auf meinen Pc zugegriffen um das heim mal zu beobachten. Das Ergebnis war ziemlich ernuechternd - ein durchweg doesender Wauwau auf dem verbotenen Sofa und herumspielende Fellnasen. Keine zwei stunden zuhause, einmal Gassi gegangen, kam der Anruf von der Hausverwaltung, der Nachbar haette sich beschwert das der Hund durchgehend gebellt hat. Sagte der guten Frau das ich den Hund seit sechs in der frueh auf dem Schirm hatte und das lauteste was er getan haben koennen, geschnarchtes gewesen sei. Woher der Nachbar dann solche Anschuldigungen haette, wurde gefragt und da stellte ich entweder sein gehoer in Frage oder sie solle mal bei allen anderen nachfragen die einen Hund in der Wohnung haetten. Thema erledigt.

Im Treppenhaus wurden die Begegnungen frostig, meine hoeflichkeiten ignoriert - dafuer klingelte dann bald taeglich das Telefon. Hausverwaltung. Es laege eine Petition anderer mietparteien vor das der Hund weg muesste weil gefaehrlich, laut und unsauber. Gefaehrlich? Hoechtens für sich selbst denn der Wauwau war trotz vier Beinen extrem dollpatschig. Kein beissen, kein knurren. Laut? Der Hund bellte nur wenn jemand sturm klingelte was verdaechtig oft geschah aber ich schick ja auch niemandem Briefe das dass Kind weg muesste. Zu laut, zu unsauber. Unsauber - wir sind bis heute die einzigen im umkreis von dreissig hauesern die auf das Wiesenstueck zugriff hatten die Kotbeutel zu benutzen wussten und zwar immer und beinahe penibel gruendlich. Im gegensatz zu dem Hundehalter ueber uns dessen armes Wauzi nur einmal am Tag (Nachts) rauskam und sonst seine Wuerstchen auf dem Balkon setzte was gerade im Sommer fuer ganz neue geruchsvielfalten gesorgt hatte. Also konnte man dem Wauwau in keinerlei hinsicht was ankreiden. Und trotzdem wurde es getan. Der Wau von obenueber schaffte es zB staendig seinen Urin im Treppenhaus abzusetzen, vornehmerweise an der Hauswand damit man noch etwas laenger davon hatte. Was soll man dem Tier das uebel nehmen? Er kommt nur einmal am Tag raus (eventuell) und will nur pinkeln. Unser Pflegewauzi also ein paradebrispiel an Sauberkeit. Gegen die Haare konnte was getan werden, wischen und Scheren. So wurde aus dem langhaarigen Zottel ein kurzhaarschaf. Jeder der mal einen geschorenen altdeutschen Schaeferhund gesehen hat weiss wie laecherlich das aussieht aber der sommer kam und es waere auch angenehmer fuer den Hund. Problem geloest. Eigentlich. Eigentlich deshalb weil die Anrufe zunahmen und auch die Briefe. Ein anwaltliches schreiben unsererseits brachte nur kurz ruhe. Nicht nur besagter Nachbar schnitt nun - nein es folgten eine Handvoll andere. Nicht das sich jemand mal die Muehe gemacht haette perse zu sprechen, nein alles ueber die Verwaltung die auch schon genervt war und dazu ueberging mit zu schikanieren damit der kluegere nachgibt und ruhe einkehrt. Die Seufzerin mittlerweile zurueck, gab es kaum die Chance zu genesen. Es sind zwar Tiere erlaubt aber nicht bei jedem. Gleiches Recht fuer alle nahmen wir an, aber lehrte Orwel uns nicht in der Animal Farm; "Alle Tiere sind gleich. Aber einige Tiere sind gleicher als andere.". Es wurde unertraeglich und das Seelenheil zu garantieren gaben wir nach. Hund musste woanders hin. Freunde. Passt. Haben schon einen Hund und sogar Garten. Und nicht unsere Nachbarschaft.

Eigentlich (!) sollte nun Ruhe einkehren. Eigentlich tat es das aber nicht. Der Hund war weg aber wir haben ja auch Fellnasen. Viel zu viele wenns nach den Nachbarn ging die alle nicht weniger von anderen mietparteien zu dulden hatten und unsere kommen nicht mal weiter als bis zum Balkon dank Netz. Unser Auto stuende staendig falsch. Unsere Fahrraeder wurden nur vor sich hinrosten, laute musik (wir haben nicht einmal eine Anlage dafuer), es wird zuoft gegrillt, wir sind nicht vor zehn zuhause und stoeren mit dem heimkommen alle schlafenden (gut nach einem jahr jede woche irgendwas neues polter ich nachts tatsaechlich durchs Haus, ich trag auf der schicht kurze Schuhe und zieh extra fuer dreissig Treppenstufen meine extrem lauten klacker an) und und und... Ich hab begriffen das wir anscheinend so schlimm sind das man uns rausekeln will - ich hab nur nicht verstanden warum.

Mittlerweile gibt es zwei Fronten im haus - die anderen und wir. Wobei wir zwei drei andere mietparteien haben die auf unsere seite stehen obwohl es sowie glaubens und kulturelle unterschiede gibt aber es ist doch schoen das man zusammenhalten kann. Und noch viel wichtiger, man findet verbuendete. Alle die jemals aufgemuckt haben und kleingemobbt wurden zum beispiel.
Man will nicht das der Garagenstrom auf andere Mieter uebertragen wird weil man a) keine Garage hat weil manch andere direkt zwei haben und b) oben erwaehnter Nachbar seine Truhen dort drin stehen hat und den Hausstrom dafuer nutzt. Abgeschmettert! Der Hund besagter Nachbarn bellt (aha) oft - abgeschmettert.

Besagter Nachbar hat im gegensatz zu allen anderen Narrenfreiheit. Weil er Hausmeister seit zig Jahren ist werden alle anderen nicht angehoert. Auch die Hausverwaltung hat sich schon kloepse an den Hals gebunden wie "Wir waren da und haben x y z gesehen"  ganz oben mit dabei: "Ich war da und habe mir die Raeder angesehen. Die haben alle platte reifen und da fehlen sogar saettel" "Wirklich? Jetzt weiss ich auch warum mich beim anschieben jeden Tag zur Arbeit auch etwas piekst!" Alle anderen Chancenlos. Zu bedauern sind unsere Nachmieter.

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